Frust schieben

Dieses hier so unbewegliche Festsitzen frustriert total Alleine darf ich nicht raus, ich muss also warten, ob eine Schwester oder ein Pfleger Zeit hat, mit mir rauszugehen und das darf auch nur im Rollstuhl passieren. Meine Muskeln verkümmern immer mehr. Immerhin kriegen sie jetzt das vegetarische Essen hin, leider nicht vegan und größtenteils völlig zerkocht. Frisches Obst ist Mangelware und gibt es vielleicht einmal die Woche. Das Hospiz ist vermutlich total unterfinanziert, aber das Personal ist bis auf wenige Ausnahmen freundlich. Da gibt es einen Assistenzarzt – zum Glück nicht für mich zuständig – der sich strikt geweigert Englisch mit mir zu reden, obwohl er es durchaus beherrschte.

Die Sozialarbeiterin hat leider immer noch keine Unterkunft für mich gefunden, ich habe sie vor einer Woche das letzte Mal gesprochen. Also weiter hoffen. Im Moment bin noch auf Unterstützung von Michael angewiesen, aber es ist deutlich zu merken, dass er genervt davon ist, einmal die Woche hier aufzuschlagen mit frischem Obst und Wäsche. Ich bin eben für ihn nicht mehr nützlich.

Auf dem Abstellgleis

Die Blutwerte haben ergeben, dass die Leukozyten jetzt sehr niedrig sind, was bedeutet, dass eine Infektion – vor allem hier im Krankenhaus (Stichwort antibiotikaresistene Keime) mir gefährlich werde kann. Sie wollen morgen nochmal Blut abnehmen, um mögliche Vorsichtsmaßnahmen treffen zu können. Die Sozialarbeiterein hier bemüht sich, eine Bleibe für mich zu finden, denn auf die Finca kann ich nicht mehr zurück. Meine Wohnung ist jetzt belegt und auch sonst ist kein Platz mehr für mich vorhanden. Da fühlt man sich doch nach zweieinhalb Jahren Arbeit dort so richtig wertgeschätzt. Das war zwar abzusehen, tut aber trotzdem weh, wenn man so einfach aussortiert wird.